15. Januar 2010

Neuer Auftrag zum Bau einer Anaerobanlage

Das Gemeinschaftsklärwerk Bitterfeld-Wolfen beauftragt STULZ-PLANAQUA mit der Realisierung dieses zukunftsweisenden Projektes.

Mehr Energieeffizienz mit Blick auf den globalen Klimawandel – so heißt die Prämisse, die die Betreiber des Gemeinschaftsklärwerks Bitterfeld-Wolfen (GKW) veranlasst hat, bei der Konzeption für die Erweiterung ihrer Anlage vollkommen neue Wege zu beschreiten.
War die seit 1994 im GKW realisierte BIOHOCH®-Reaktortechnologie bereits auf eine besonders effektive Ausnutzung der eingesetzten Belüftungsenergie ausgerichtet, wird die neue Abwasservorbehandlungsanlage komplett ohne den energieintensiven Eintrag von Luft auskommen. Unter Ausschluss von Sauerstoff, also unter anaeroben Bedingungen, wird hier durch spezielle Mikroorganismen aus hochbelastetem Industrieabwasser Biogas erzeugt – ein Energieträger, der voll im Trend der Zeit liegt.

Nach qualifizierten Versuchen im eigenen Labor sowie intensiver Vorbereitung und Auswertung der Ausschreibung gemeinsam mit dem Planungsbüro Prof. Dr. Dr. K.-U. Rudolph GmbH aus Witten wurde unter den europäischen Bietern der Bremer Umweltanlagenbauer STULZ-PLANAQUA als das wettbewerbsfähigste Unternehmen ausgewählt.

Das derzeit für eine Kapazität von 422.000 EW (Einwohnerwerten) ausgebaute GKW reinigt neben den Abwässern von rund 70.000 Einwohnern der Region Bitterfeld-Wolfen die Industrieabwässer der umliegenden Chemie- und Industrieparks, wo auf insgesamt ca. 1.700 ha rund 400 Betriebe ansässig sind. Die Hauptbelastungen kommen aus dem 1.200 ha großen P-D ChemiePark Bitterfeld Wolfen, der auch mehrheitlicher Anteilseigner am Klärwerk ist, dem Industriepark der Bayer Bitterfeld GmbH sowie dem Technologiepark Mitteldeutschland. Darüber hinaus behandelt das GKW jährlich etwa 2 Mio. m³ kontaminiertes Grundwasser im Rahmen des „Ökologischen Großprojektes“ des Landes Sachsen- Anhalt zur Altlastensanierung am Standort.
Die Vergrößerung von Produktionsanlagen am Standort führt zu einem erhöhten Anfall von Abwasser, das stark mit sauerstoffzehrenden organischen Stoffen belastet ist. Um im Klärwerk die entsprechenden Reinigungskapazitäten zu schaffen, ist eine Erweiterung der bestehenden Anlage erforderlich. Die Behandlung des Abwassers mit der bisher bewährten Aerobtechnologie hätte durch den Bau eines zusätzlichen BIOHOCH®-Reaktors den Gesamt-Energieverbrauch der Anlage deutlich erhöht. Die sauerstofffreie Alternativvariante setzt hingegen gezielt auf die sinnvolle Nutzung des energetischen Potentials im hochkonzentrierten Industrieabwasser: Das beim anaeroben Abbau der Abwasserinhaltsstoffe entstehende Biogas wird in Blockheizkraftwerken zur Erzeugung von Wärme und Elektroenergie verbrannt. Dadurch wird ein Teil des Eigenenergiebedarfs der Anlage gedeckt. Gegenüber dem Ist-Zustand kann die jährliche CO2-Emission damit um bis zu 4.000 t vermindert werden. Das entspricht größenordnungsmäßig dem gleichen CO2-Ausstoß, der jährlich von etwa 580 Einfamilienhäusern (130 m², Ölzentralheizung)* oder beim Zurücklegen von ca. 28.000.000 km im PKW (Benzinverbrauch: 6 l/100 km) produziert wird!

Die Besonderheit des anaerob vorzubehandelnden Teilstromes, die den innovativen Charakter des Gesamtvorhabens begründet: Das Abwasser enthält neben den biologisch abbaubaren organischen Schmutzstoffen auch erhebliche Mengen an Natriumchlorid. Bislang gibt es keine technologisch vergleichbare Anaerobanlage, die bei so hohen Salzbelastungen arbeitet. Die Firma STULZ-PLANAQUA stellt sich dieser Aufgabe mit einem Hochleistungsreaktor ihrer Unternehmensschwester AQUATYX. Dieses System hat sich bereits bei anderen anspruchsvollen Problemstellungen in der anaeroben Abwasserreinigung ausgezeichnet bewährt. Im GKW Bitterfeld-Wolfen entstehen bis 2011 zunächst zwei AQUATYX-Reaktoren, die täglich mit einer organischen Fracht von insgesamt 20 t (gemessen als CSB = Chemischer Sauerstoffbedarf) beschickt werden sollen. Das Anlagenkonzept ist so ausgelegt, dass später eine Erweiterung auf die doppelte Kapazität erfolgen kann.

Für dieses richtungsweisende Projekt investiert das GKW in der ersten Ausbaustufe fast 12,3 Mio. Euro. Auf Grund seines Pilotcharakters und dem Beitrag zum Klimaschutz wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit mit einer Anteilsfinanzierung in Höhe von 30% gefördert.
Mit der neuen Anaerobstufe des GKW realisiert STULZ-PLANAQUA ein Demonstrationsvorhaben, dessen Wirkung aufgrund seiner Vorbildfunktion für andere Kläranlagen weit über den mitteldeutschen Raum hinausreichen wird.

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